Hypnose bei Schmerzen – persönliche Zuwendung, neue Möglichkeiten und mehr Entlastung
Wie persönliche Zuwendung und Hypnose zusammenwirken können: Studien zu Schmerzen und Medikamentenbedarf, neue Möglichkeiten im Alltag und eine ehrliche Einordnung für chronische Schmerzen.

Von Sven Altmann · Heilpraktiker für Psychotherapie · Altmann Hypnose in Eppingen bei Heilbronn
Wer mit Schmerzen lebt, wünscht sich Entlastung. Und möchte als Mensch wahrgenommen werden: mit den eigenen Erfahrungen, Sorgen und Fragen. Erzählen dürfen, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Erleben, dass jemand zuhört und die Beschwerden ernst nimmt.
„Ich sehe dich. Ich höre dich. Ich bin bei dir. Ich wende mich dir positiv zu.“ Für mich beschreibt das eine Grundhaltung, die zur hypnotischen Arbeit dazugehört.
Darauf baut die weitere Arbeit auf: Wir schauen gemeinsam, was dich belastet, welche Veränderungen du dir wünschst und welche inneren Vorstellungen zu dir passen. Persönliche Begleitung und hypnotische Anleitung greifen dabei ineinander.
Wissenschaftliche Studien zeigen interessante Möglichkeiten: Hypnose kann bei bestimmten medizinischen Eingriffen Schmerzen lindern und den Bedarf an einzelnen Schmerz-, Beruhigungs- oder Narkosemitteln verringern.[4,5] Auch medizinische Empfehlungen aus den USA berücksichtigen Hypnose als ergänzende Möglichkeit der Schmerzversorgung.[1,2]
Besonders aufschlussreich ist dabei ein Ergebnis: Schon gezielte persönliche Zuwendung kann einen Unterschied machen.[4] Für mich unterstreicht das, wie wichtig die menschliche Begegnung innerhalb einer Behandlung ist.
Wie Hypnose das Schmerzerleben beeinflussen kann
Schmerzen sind real. Wie stark und belastend wir sie erleben, wird auch durch Aufmerksamkeit, Anspannung, Gefühle und Erwartungen beeinflusst.
Hier setzt hypnotische Arbeit an. Gebündelte Aufmerksamkeit, innere Bilder und passende Suggestionen können helfen, die Wahrnehmung zu verändern. Beispielsweise lässt sich mit Vorstellungen von Kühle, angenehmer Schwere oder größerem Abstand zum Schmerz arbeiten. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologische Schmerztherapie und -Forschung beschreibt solche Verfahren als Möglichkeiten zur Schmerzlinderung.[3]
Das eröffnet einen hilfreichen Blick auf die eigenen Beschwerden: Neben der Behandlung körperlicher Ursachen gibt es Möglichkeiten, die Verarbeitung und das Erleben von Schmerzen zu beeinflussen.
Zuwendung ist für mich ein Teil der Hypnose
Wenn wir miteinander arbeiten, möchte ich verstehen, wie du deine Beschwerden erlebst. Was beschäftigt dich? Welche Situationen sind besonders belastend? Was würde sich in deinem Alltag verändern, wenn du mehr Entlastung erfahren könntest?
Diese Fragen geben unserer Arbeit eine Richtung. Ich höre zu, greife deine Worte auf und stimme die hypnotische Anleitung auf dein Erleben ab. So entstehen innere Bilder und Suggestionen, die einen persönlichen Bezug zu dir haben.
Für mich gehören die Beziehung zum Menschen und die hypnotischen Methoden zusammen. Zuhören, Vertrauen aufbauen und sich einem Menschen aufmerksam zuwenden sind Bestandteile dieser Arbeit.
Was „strukturierte Zuwendung“ in einer Studie bedeutet
In der Forschung werden diese Bestandteile teilweise getrennt untersucht. Eine Vergleichsgruppe erhält beispielsweise eine nach festgelegten Regeln gestaltete aufmerksame Begleitung. Eine weitere Gruppe bekommt zusätzlich eine hypnotische Anleitung. Auf diese Weise können Forschende prüfen, was die jeweilige Form der Begleitung bewirkt.
Der Begriff „strukturierte Zuwendung“ klingt dabei nüchterner als das, worum es geht: Ein Mensch erhält bewusst Aufmerksamkeit und Begleitung. Wie genau diese gestaltet ist, legt die jeweilige Studie fest. In der weiter unten beschriebenen Untersuchung ging bereits diese Form der Begleitung mit einem geringeren Medikamentenbedarf einher.[4]
Für meine Praxis ist das ein wertvoller Gedanke: Wenn Zuwendung hilfreich ist, verdient sie einen festen Platz in der Behandlung. Wie viel eines beobachteten Effekts auf Zuwendung und wie viel auf hypnotische Techniken zurückgeht, bleibt eine wissenschaftliche Frage. Meine therapeutische Haltung ist, beides bewusst miteinander zu verbinden.
Raum für das persönliche Gespräch
Vielleicht kennst du den Wunsch, in einem Termin noch etwas erzählen oder eine Frage stellen zu können. Für mich ist dieser Raum wichtig. Deshalb nehme ich mir in meiner Praxis Zeit für das Gespräch und für das Verständnis deiner persönlichen Situation.
Dabei geht es auch darum, gemeinsam Möglichkeiten zu entdecken: Was kann dir helfen, mit Anspannung umzugehen? Welche Vorstellungen empfindest du als angenehm? Was möchtest du durch Selbsthypnose später eigenständig weiterführen?
Diese persönliche Abstimmung begleitet die hypnotische Arbeit vom ersten Gespräch bis zur Anleitung für zu Hause.
Warum der Medikamentenverbrauch zur Bewertung dazugehört
Bei der Beurteilung einer Schmerzbehandlung ist die Schmerzstärke ein wichtiges Ergebnis. Ebenso interessant ist, wie viele Schmerz-, Beruhigungs- oder Narkosemittel dafür eingesetzt werden.
Vergleichbare Schmerzen bei geringerem Medikamentenbedarf können ein Behandlungsvorteil sein. Ob das tatsächlich gelungen ist, lässt sich nur beurteilen, wenn eine Studie beide Aspekte erfasst.
Deshalb sollte man fragen: Wie ging es den Menschen während und nach der Behandlung? Welche Medikamente erhielten sie – und in welcher Menge?
Ein fehlender Unterschied bei den Schmerzwerten belegt für sich allein weder Wirkungslosigkeit noch eine Medikamenteneinsparung. Dafür braucht es die entsprechenden Messdaten.
Was konkrete Studien zu weniger Medikamenten zeigen
Weniger Medikamente bei bildgesteuerten Eingriffen
Eine im Fachjournal The Lancet veröffentlichte randomisierte Studie von Lang und Kollegen untersuchte 241 Menschen bei Gefäß- und Niereneingriffen. Verglichen wurden Standardversorgung, strukturierte Zuwendung und selbsthypnotische Entspannung. Alle konnten bei Bedarf das Schmerzmittel Fentanyl und das Beruhigungsmittel Midazolam erhalten.
In der Hypnosegruppe lag der durchschnittliche Verbrauch bei 0,9 standardisierten Medikamenteneinheiten, gegenüber 1,9 Einheiten bei Standardversorgung. Zugleich nahm der Schmerz während des Eingriffs in der Hypnosegruppe nicht mit der Zeit zu. In der Gruppe mit strukturierter Zuwendung lag der Verbrauch bei 0,8 Einheiten. Auch aufmerksame Begleitung ohne die zusätzliche Hypnoseanleitung senkte den Medikamentenbedarf also deutlich.[4]
Für die Praxis sind beide Ergebnisse interessant: Sowohl aufmerksame Begleitung als auch Hypnose gingen mit einem geringeren Medikamentenbedarf als die Standardversorgung einher. In der Hypnosegruppe blieb zusätzlich der Schmerz im Verlauf stabil, während er in den beiden anderen Gruppen zunahm. Beim Medikamentenverbrauch selbst zeigte sich kein zusätzlicher Vorteil der Hypnose gegenüber strukturierter Zuwendung.[4]
Für mich passt dazu eine Behandlung, die persönliche Zuwendung bewusst einschließt und mit hypnotischen Möglichkeiten verbindet. Die Studie beweist allerdings nicht, dass sich die Wirkungen beider Bestandteile einfach addieren.
Weniger Propofol und örtliche Betäubung bei Brustoperationen
Eine weitere randomisierte Studie von Montgomery und Kollegen untersuchte 200 Patientinnen vor einer Gewebeentnahme oder brusterhaltenden Operation. Eine Gruppe erhielt eine 15-minütige Hypnose, die Vergleichsgruppe ein gleich langes Gespräch mit empathischem Zuhören.
Mit Hypnose wurden während der Operation weniger Propofol, ein Mittel zur Sedierung beziehungsweise Narkose, und weniger Lidocain, ein örtliches Betäubungsmittel, benötigt. Bei der Entlassung berichteten die Patientinnen außerdem über weniger Schmerzen, Übelkeit und Erschöpfung.
Für das Opioid Fentanyl, das Beruhigungsmittel Midazolam und die Schmerzmittel im Aufwachraum gab es dagegen keinen statistisch gesicherten Unterschied.[5]
Das Ergebnis lässt sich deshalb präzise beschreiben: In dieser Untersuchung ermöglichte Hypnose Einsparungen bei bestimmten Medikamenten und verbesserte zugleich mehrere Beschwerden nach dem Eingriff.
Welche weiteren Vorteile untersucht wurden
Auch größere Übersichtsarbeiten beschäftigen sich mit diesen Möglichkeiten. Eine Metaanalyse von 2024 fand bei medizinischen und operativen Eingriffen neben einer durchschnittlichen zusätzlichen Schmerzlinderung Hinweise auf geringeren Medikamentenverbrauch während und nach den Eingriffen.[6]
Eine Übersichtsarbeit zur Hypnose in der Anästhesie, online 2025 veröffentlicht, fand je nach Anwendungszeitpunkt Vorteile bei Schmerzen, Angst sowie Übelkeit und Erbrechen nach Eingriffen. Eine allgemeine, verlässlich nachgewiesene Einsparung von Opioiden oder Narkosemitteln über alle untersuchten Situationen hinweg ließ sich daraus jedoch nicht ableiten.[7]
Die ermutigende Perspektive ist das Zusammenspiel: Hypnose kann medizinische Versorgung ergänzen und bei bestimmten Anwendungen sowohl das Befinden als auch den Bedarf an einzelnen Medikamenten günstig beeinflussen.
Was die Empfehlung aus den USA bedeutet
Der Bericht Pain Management Best Practices des US-Gesundheitsministeriums (U.S. Department of Health and Human Services, 2019, S. 38) beschreibt wissenschaftliche Belege für Hypnotherapie bei verschiedenen Schmerzerkrankungen – darunter Rückenschmerzen, Fibromyalgie und krebsbedingte Schmerzen.[1] Fachbericht ansehen
Die Fachgesellschaften Society for Integrative Oncology und American Society of Clinical Oncology halten in ihrer Leitlinie von 2022 fest, dass Hypnose Erwachsenen bei Schmerzen durch diagnostische oder therapeutische Eingriffe in der Krebsversorgung angeboten werden kann.[2]
Damit ist Hypnose eine wissenschaftlich untersuchte ergänzende Behandlungsmöglichkeit. Die konkrete Empfehlung betrifft die Schmerzlinderung im Rahmen der Versorgung und keine Behandlung des Tumors.
Mehr Handlungsspielraum im Alltag
Neben der Begleitung medizinischer Eingriffe kann auch Selbsthypnose interessant sein. Gemeinsam erarbeitete innere Bilder und Übungen lassen sich nach Anleitung eigenständig fortführen.[3]
Das Ziel kann sein, eine hilfreiche Reaktion auf Beschwerden einzuüben und mehr Möglichkeiten im Umgang mit belastenden Empfindungen zu entwickeln.
Welche Veränderungen erreichbar sind, ist individuell verschieden. Eine aktuelle Übersichtsarbeit von 2026 fand im Durchschnitt eher kleine Verbesserungen der Schmerzintensität und keine klare Überlegenheit gegenüber anderen psychologischen Verfahren.[8] Die Ergebnisse zur Medikamenteneinsparung stammen vor allem aus bestimmten Eingriffssituationen; sie lassen sich nicht automatisch auf die dauerhafte Schmerzmitteleinnahme bei chronischen Schmerzen übertragen.
Hypnose und therapeutische Begleitung in Eppingen bei Heilbronn
In meiner Praxis Altmann Hypnose stehen du und dein Erleben im Mittelpunkt. Zeit, Aufmerksamkeit und eine zugewandte Begleitung bilden die Grundlage; hypnotische Methoden bauen darauf auf. Gemeinsam schauen wir, welche Worte, inneren Bilder und Übungen zu dir passen. Als Heilpraktiker für Psychotherapie liegt mein Schwerpunkt auf der Begleitung bei Angst, Panik und innerer Unruhe. Wenn Schmerzen mit Ängsten oder anhaltender Anspannung verbunden sind, können wir gemeinsam klären, ob eine ergänzende therapeutische Begleitung zu deinem Anliegen passt.
Schmerzen gehören ärztlich abgeklärt. Bei körperlichen Erkrankungen erfolgt eine mögliche Begleitung ergänzend und in Abstimmung mit der behandelnden ärztlichen Fachperson. Änderungen an Medikamenten werden ausschließlich mit ihr besprochen.
Du möchtest herausfinden, welche Möglichkeiten Hypnose für dein Anliegen bietet?
Quellen
- HHS (2019): Pain Management Best Practices Report, Seite 38
- SIO–ASCO (2022): Integrative Medicine for Pain Management in Oncology
- DGPSF: Schmerz und Hypnose
- Lang et al. (2000): Adjunctive non-pharmacological analgesia for invasive medical procedures
- Montgomery et al. (2007): A randomized clinical trial of a brief hypnosis intervention to control side effects in breast surgery patients
- Jones et al. (2024): Adjunctive use of hypnosis for clinical pain
- Lahoud et al. (2025/2026): Hypnosis for anaesthetists
- Yim und Derbyshire (2026): A Systematic Review of Hypnosis for Clinical Pain Relief
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